fbpx

Warum Regeln das Vertrauen zerstören

Allgemein

Warum Regeln das Vertrauen zerstören

Manchmal war das doch einfach zum Mäusemelken. Da hatten wir schon immer wieder drüber gesprochen, dass Hausaufgaben am Freitag erledigt werden. Damit das Wochenende frei ist. Und wir Spaß haben können mit unseren Kindern. Ohne ständig an die noch zu erledigenden Hausaufgaben denken zu müssen.

Und dann kam ich freitags nach Hause… und: keine Hausaufgaben gemacht. Freunde zu Besuch, Wetter so schön, vergessen… von den Kindern könnte ich es ja verstehen. ABER warum hat der Papa, also Bernd, bitte nicht drangedacht…

Nie hält er sich an Vereinbarungen, immer entscheidet er aus dem Bauch heraus oder wie es gerade passt…

Und genauso in anderen Situationen andersherum – da war ich die, die spontan anders entschieden hat, als es eigentlich vereinbart war.

Wie gehen wir damit um?

Und dann gibt es verschiedene Handlungsoptionen: aufregen und verbal oder nonverbal so richtig auf den Putz hauen. Ist ja klar, wer dann Recht hat: derjenige, der auf Einhaltung der Regeln oder Vereinbarungen pocht. Gewinner und Verlierer sind in diesem Moment schnell gefunden.

Andererseits vielleicht hat der andere ja auch gute Gründe so zu reagieren, wie er oder sie reagiert. Denn nicht immer passen Vereinbarungen und das wirkliche Leben zueinander. Manchmal erfordert das Leben eine andere Aktion oder Reaktion. Es wäre also auch möglich zu vertrauen – nämlich darauf, dass der andere schon weiß, was er tut und weshalb. Zu vertrauen bedeutet auch zu verstehen, dass sich Situationen manchmal ändern und dass jeder immer nach seiner besten Option handelt.

Ich vertraue mir und ich vertraue dir!

In meiner Welt ist das wichtigste Wort in diesem Zusammenhang VERTRAUEN. Wo Vertrauen existiert sind Regeln zweitrangig. Wenn wir wenig Vertrauen haben werden Regeln umso wichtiger. Weil sie uns helfen die Kontrolle zu behalten. Leider lässt sich nur das Zusammenleben mit den Kindern so oft nicht kontrollieren.

Ich habe es direkt jetzt erlebt, während ich diesen Artikel schreibe. Unsere Tochter hat Kummer und braucht Zuspruch. Obwohl eigentlich vereinbart war, dass ich schreibe und wir dann in den Wald gehen. Jetzt verschiebt sich das ein wenig nach hinten. Das funktioniert, wenn wir einander vertrauen, dass jeder das Bestmögliche tut. Das funktioniert, wenn ich fühlen kann, was gerade dran ist. Wie das geht? Sich selbst leer machen von Erwartungen, von Recht haben wollen, von Kämpfen wollen, von to-do-Listen, von den ganzen “mans” und die Beziehung zum Kind an erste Stelle stellen und vertrauen, dass alles gut wird.

Wir, Bernd und ich, haben irgendwann entschieden, dass uns die Beziehung zu unseren Kindern so wichtig ist, dass wir sie an erste Stelle gestellt haben. Unsere liebevolle Beziehungen zu den Kindern sind wichtiger als ausgeräumte Spülmaschinen, gemachte Hausaufgaben, aufgeräumte Zimmer oder aufgeräumte Schuhe.

Müssen unsere Kinder nie was wegräumen? Ja und nein. Es geht um liebevolle, intuitive Führung mit Vertrauen. Es geht darum, auch mal einen Schritt zurückzugehen und nicht im Moment auf etwas bestehen, sondern zu schauen, wie es dem Kind gerade geht. Reinfühlen in die Situation, was es gerade braucht. Loslassen und Vertrauen. Nicht einsteigen in die Emotionen. Emotionen abfließen lassen, der Fels in der Brandung sein. Und so ein liebevolles Vorbild werden. Hilfe anbieten. Kinder lerne mehr durch das, wie und wer wir sind als durch das, was wir tun und sagen.

Regeln und keiner hält sich daran

Vielleicht kennst du ähnliche Situationen aus deinem Elternalltag. Da wurde lange und oft über eine Thematik diskutiert, eine Regelung gefunden und dann reagiert dein Partner/deine Partnerin oder dein Kind anders. Je größer die Familie, desto schwieriger wird das dann. Keine Frage. Und wenn du dich mal in der Welt außerhalb der Familie umschaust, wo halten sich Erwachsene auch mal nicht an Regeln? Wer fährt gerne mal 10km/h schneller? Wer läuft doch mal über eine rote Ampel? Wo liegt Müll rum?

Eine gemeinsame Basis entwickeln

Deshalb würde ich an einer anderen Stelle ansetzen. Und zwar würde ich statt Regeln zu formulieren zusammen daran arbeiten eine gemeinsame Basis zu finden in deiner Familie. Finde heraus, wie du den Kindern vertrauen kannst. Überlege, wie du als Mama, wie du als Papa sein willst, wie ihr handeln wollt, weil das deiner Überzeugung und deiner Haltung entspricht. Dann geht das Familienleben Hand in Hand und du wirst merken, wie wenige Regeln du noch benötigst oder ob du überhaupt noch Regeln brauchst in der Familie. Und wie das deinen Alltag entspannt. Und dann beginnt der Zauber, denn die Kooperation deines Kindes ist das Geschenk deines Kindes an dich für deine zuvor erbrachte Beziehungsarbeit. Dann wird es magisch in eurer Familie.

Vertrauen kann man lernen

Dein eigenes Vertrauen wächst, wenn du beginnst, dir selbst und all deinem Wissen, all deiner Intuition zu vertrauen. Und dann fällt es dir umso leichter anderen Menschen – Partner, Kollegen und Kindern – zu vertrauen. Nur wie geht Vertrauen? Im ersten Schritt vielleicht einfach indem du dir das mal sagst: „Ich vertraue mir, ich vertraue dir und ich vertraue dem Leben“.

Wie so eine Art Mantra: Immer und immer wieder – fake it until you make it. Und Schritt für Schritt wirst du mit der Zeit immer vertrauensvoller werden.

Wenn dir das schwierig oder kompliziert vorkommt, dann erinnere dich daran, wen du als Kind in solchen Situationen gebraucht hättest. Und werde dann selbst zu dem Menschen, den du als Kind so sehr gebraucht hättest.

Alles Liebe für dich von Uli und Bernd