Warum Du mit Lob Kinder zu Süchtigen machst – und wie Du das ganz einfach vermeiden kannst

Kennst Du sie auch, diese Menschen (nein, es müssen nicht immer Kinder sein), die ständig (d)eine Bestätigung suchen? Die ständig danach lechzen, dass du oder jemand anders sie anerkennt für das was sie gerade tun? Und deren Output extrem sinkt, wenn ihnen nicht ständig “der Bauch gepinselt wird”? 

Leider ist es so, dass ein riesengroßes Missverständnis beim Umgang mit Kindern genau diesen Menschentyp in Massen gefördert hat.

 

Nicht geschimpft ist gelobt genug…

…wie der Schwabe sagt 🙂 Und das war lange Zeit die Einstellung sowohl für Eltern wie auch für Lehrer, Vorgesetzte, etc. in unserer Gesellschaft. Das war nicht nett. Solange nicht, bis man sich dran gewohnt hatte. Menschen in so einem Umfeld werden sehr feinfühlig und fangen an Minireaktionen zu deuten. Also ein überraschtes hochziehen der Augenbrauen kann da schon einen Ansturm an Euphorie in einem auslösen, wenn man gelernt hat, dass dies eine positive Reaktion bedeutet. 

Ich hatte in meiner Grundschulzeit so einen Lehrer (den ich in vielem in guter Erinnerung habe): je besser ein Schüler war, um so weniger wurde darüber gesprochen. Und ja, wir Schüler wussten schon wann wir uns freuen konnten. Annerkennungssüchtig haben wir jede Zuckung des Gesichtsmuskel interpretiert. 

Das ist jetzt schon ewig her, und es ist gut, dass sich inzwischen einiges geändert hat:

 

Die Gegenbewegung: loben bis der Arzt kommt

Ja, das kann man tatsächlich als eine Art Gegenbewegung betrachten: auf einmal war es modern, zu loben bis eben der Mann im weißen Kittel anrückt. Oder so ähnlich. Also egal, was, wie und wo: immer was gutes finden, immer “über den grünen Klee” loben.

Und genau das hat dann im Endeffekt zu diesen Lobjunkies geführt, wie am Anfang beschrieben. Und ja, ich war und bin vielleicht auch immer noch ein bißchen so einer. Und Du vielleicht auch?! Ist ja nicht schlimm, kann ja passieren 😉 Coll wäre halt, wenn du es erkennst und vielleicht merkst, dass es nicht immer der geschmeidigste Weg ist und war. 

 

Warum das Leben als Lobjunkie so anstrengend ist

Weil Du einfach für jeden kleinen Furz einen brauchst, der dir die Wampe bürstet. Also ich meine den Bauch pinselt.

Weil die Tatsache, ständig für jeden Schritt dieses Lob zu brauchen dich so besch**** abhängig macht von den ganzen anderen, die dich ständig loben sollen.

Und in dieser verflixten Welt da draußen ist aber keine Mama ständig neben dir, die das macht. Und die Kollegen in der Firma brauchen ja eigentlich selber jemanden, der das erledigt. Teufelskreis!

 

Was soll das Bernd, Wertschätzung und Anerkennung sind wichtig

Ja, absolut. Du hast recht, das sind sie. Ich spreche auch nicht gegen Wertschätzung. Ich spreche gegen Lob. Dagegen ständig Ergebnisse groß zu machen. Weil es süchtig macht. Und es hat noch einen riesen Haken:

 

Nur noch Spaß am Ergebnis

Let´s talk real, unter uns (Kinder weghören): Beim Sex, geht´s da für dich darum schnell zum Höhepunkt zu kommen und Ende Gelände? Oder magst Du da den Weg dahin auch ganz gerne ausgedehnt genießen?

Durch Lob werden Menschen ergebnisorientiert. Weil 

Ergebnis = Lob = Glückshormonausschüttung.

Und das bedeutet: kein Spaß am Prozess, und kein Vertrauen in den Prozess, nur die Suche nach dem nächsten Ergebnis.

 

Geht´s hier eigentlich noch um Kinder

Ja tut es. ich habe Dir nur Beispiele aus der Erwachsenenwelt gebracht, manchmal mag ich das lieber, gerade wenn´s um nicht so positive Beispiele geht ;-). ALso ja, es geht um Kinder. Darum wie Deine Kids keine Lobjunkies werden, sich trotzdem EXTREM wertgeschätzt fühlen UND den Spaß am Prozess erhalten und nicht ergebnisgesteuert werden.

Das beste Beispiel ist diese dänische Spielzeugfirma mit den bunten Steinen: den meisten Spaß macht das bauen. Die Freude wie etwas “aus dem nichts” entsteht. 

 

Kinder lieben den Prozess – nicht das Ergebnis

Kleine Kinder lieben am malen das tun. Nicht das Ergebnis. Deshalb kapieren wir diese Bilder nicht, die eine Geschichte erzählen, die aber übereinander gemalt ist. Und wir “Alten” sehen nur schwarzbraune große Flecken. Darunter sind 27 Prinzessinnen die von Hunde-Polizeistaffeln gerettet wurden und dabei noch Olaf getroffen haben – nur das sehen wir nicht. Und quälen uns ein “so ein schönes Bild” über die Lippen, weil wir denken, wir müssten das Ergebnis loben.

Anstatt dass wir einfach sagen: “Boah, ich sehe welche Freude Du am malen hast!” – das ist nämlich die Alternative: sprich über die Tätigkeit. Das nennt man dann auch ermutigen.

 

Wie geht´s anders?

Ermutigung kann man lernen, wie schon oben gesagt geht´s darum die Tätigkeit hervorzuheben anstatt das Ergebnis zu loben.

Und ja, es gibt auch Momente, wo Du loben darfst und sogar sollst! Weil auch das ok ist, natürlich. Nur wenn Du halt weißt wann und darauf achtest, bzw. eine Zeit lang achtsam bist wie Du positiv bestärkst, dann geht Dir das in nullkommanichts ganz easy über die Lippen.

Natürlich kann ich hier im Blog das Thema nur anreißen. Wenn Du tiefer einsteigen willst, dann gibt´s in unserer academy einen Kurs “Kinder stark machen – Wie kannst Du Dein Kind ermutigen (einfach hier klicken)” – mit einem sehr umfangreichen Skript dazu, wo Du noch einmal lernst, wie genau Ermutigung geht, mit eindeutigen Beispielen. Und Uli erklärt Dir auch ganz genau, wann Lob angebracht ist und wann nicht und wie Du die Sprache der Ermutigung zur Alltagssprache bei Euch zu Hause machst.

 

Alles Liebe für Dich,

 

Bernd

Alles Liebe für Dich,

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