Lässt du dich leicht ablenken?

Allgemein

Lässt du dich leicht ablenken?

Kennst du das? Du bist ständig verfügbar und denkst auch von dir, dass du dein Handy zu oft in die Hand nimmst?

Wie oft konzentrierst du dich auf nur eine Tätigkeit und bringst diese auch zu Ende?

Und wie sehr lässt sich dein Kind ablenken?

Hättest du gerne, dass es seine Aufmerksamkeit über einen bestimmten Zeitraum auf eine Sache richten kann?

Wir wissen heute, dass die Bereitschaft neues Wissen aufzunehmen und zu verarbeiten und somit insbesondere auch die Schulfähigkeit von Kindern direkt mit der Fähigkeit zur Fokussierung zusammenhängt.

Polarisation der Aufmerksamkeit und Flow

Maria Montessori benannte diesen Zustand der vollen Konzentration als Polarisation der Aufmerksamkeit. Das meint die Fähigkeit des Menschen sich vollständig in eine Sache zu vertiefen und dabei die Zeit zu vergessen. In diesem Zustand, der auch als Flow bezeichnet wird, entstehen die besten Ideen und jeder Mensch erlebt Glück, Sinn und Erfüllung.

Welche Flow-Erlebnisse kennst Du?

Nimm dir doch mal einen Moment Zeit und fühle in dich hinein. Wo bist du im Flow? Wo versinkst du in eine Tätigkeit? Und vor allem wie fühlst du dich dabei?

Flow in der Schule?!

Natürlich wird nicht jeder schulische Inhalt dazu führen, dass das Kind im Flow ist. Um jedoch überhaupt Flow-Erlebnisse haben zu können, ist die Fähigkeit zur Fokussierung allerdings von entscheidender Bedeutung.

Warum Fokussierung heute so schwierig ist

Ich glaube, dass es noch nie in der Geschichte der Menschheit so herausfordernd war, fokussiert auf eine Sache zu sein, wie heute. Wir lassen uns doch ständig und dauernd ablenken. Hier eine Nachricht am Smartphone, dort ein Anruf, ein Gespräch… Informationen für alle Sinne an jeder Ecke… Wir erledigen x-Dinge gleichzeitig, vertrösten auf später, hetzen durch unseren Alltag… Und sind selbst nur selten fokussiert.

Die Multitasking- Lüge

Früher dachten wir, dass es möglich ist mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Und nannten das Multitasking. Vielleicht gehörst du auch zu denjenigen, die sich daran gefreut haben, über diese Fähigkeit zu verfügen. Heute wissen wir jedoch – wissenschaftlich erwiesen – dass es kein Multitasking gibt. Natürlich kannst du mehrere Dinge gleichzeitig tun, das haben wir alle schon erlebt. Nur machen wir dann keine Sache „richtig“, sondern wechseln mit unserem Fokus ständig von der einen zur anderen Sache. Oder wir tun eine Tätigkeit völlig automatisiert und sind folglich auch unfokussiert.

Wann bist du bei der Sache?

Reflektiere dich doch mal selbst: Wann bist du im Alltag mit den Kindern wirklich fokussiert? Wann schenkst du den Kindern deine volle Aufmerksamkeit? Und wann schweifen deine Gedanken ab?

So kann ich zum Beispiel ein Buch vorlesen und dabei darüber nachdenken, dass ich gleich noch die Spülmaschine ausräumen muss, oder ich kann beim Vorlesen mit meinem neuen Blog-Artikel beschäftigt sein. Oder aber ich bin da – also so richtig da – und lese mit 100% Fokus das Buch vor. Und das ist in allen Situationen zu beobachten. Wir können alles mit 100% Aufmerksamkeit tun oder mit 90, 80, …10%. Und da wir die Vorbilder für die kleinen Menschen sind, wird jedes Kind so fokussiert werden, wie die großen Menschen in seinem Umfeld sind.

Wie Kinder fokussiert bleiben können

Kleine Kinder sind fokussiert. Beobachte doch mal ein Kind, das mit unendlicher Geduld immer und immer wieder probiert einen Fussel mit dem Pinzettengriff vom Boden aufzuheben. Das Kind ist 100% bei sich und seiner Tätigkeit. Wenn wir also wollen, dass Kinder in der Schule in der Lage sind, sich zu konzentrieren, dann dürfen wir vor allen Dingen darauf achten, dass wir es ihnen nicht abtrainieren – das Fokussiert-Sein. Denn wie häufig stören wir die Kinder bei ihrer Tätigkeit und der Polarisation der Aufmerksamkeit? Tu dies jetzt oder jenes! Wie oft unterbrechen wir den Fokus der Kinder? Und dann wundern wir uns, dass sie sich nicht mehr konzentrieren können! Wir kritisieren sie, weil sie sich an uns und unsere Wünsche angepasst haben. Und gleichzeitig leben wir ihnen vor, dass Erwachsen-Sein bedeutet, mit den Gedanken überall und nirgends zugleich zu sein.

Wahrnehmung und Fokus

Die Grundvoraussetzung um fokussiert sein zu können liegt in der Wahrnehmung. Sich selbst wahrnehmen, bei sich sein, mit sich selbst zufrieden sein können bildet das Fundament. Mit geschärften Sinnen bei sich selbst sein können. Die eigenen Gedanken und Gefühle mit allen Sinnen empfinden können. Wissen, was tut mir gut und was brauche ich jetzt? Welches Bedürfnis habe ich gerade?

Und wer sich selbst wahrnehmen kann, kann auch andere wahrnehmen. Und sich so auf ein Gegenüber fokussieren. Wahrnehmen, was der andere sagt und einem vermitteln will. Dann kann das Kind sich leiten lassen und ist in der Lage, sich auf den Lehrer zu fokussieren.

Viele Erwachsene dürfen genau hier ansetzen: Sich selbst und die eigenen Gefühle, die eigenen Bedürfnisse wieder spüren und wahrnehmen. Verstehen, dass das nicht egoistisch ist, gut für sich selbst zu sorgen. Sondern richtig, wichtig und sogar verdammt notwendig, um Kindern ihren Fokus zu erhalten. Denn keine Generation vorher war so gefährdet defokussiert durchs Leben zu gehen. Gehe los und trainiere deinen Fokus!

 

Alles Liebe für dich von Uli und Bernd