Fühlst du dich gestresst vom Dauer-Aufräumen?

Allgemein

Fühlst du dich gestresst vom Dauer-Aufräumen?

Wann räumst du auf? Vor dem Frühstück, nach dem Frühstück, vor dem Mittagessen, nach dem Mittagessen, vor dem Abendessen, nach dem Abendessen und vielleicht zwischendrin auch noch mal?

Hast du das Gefühl, immer nur am hinterherräumen zu sein?

Hast du das Gefühl, du könntest immer aufräumen?

Hast du das Gefühl, deine Kinder könnten auch mal helfen?

Die meisten Kinder haben ein ganz anderes Ordnungsbedürfnis als die Erwachsenen und sehen folglich wenig Sinn im aufräumen.

Das führt dazu, dass zu Hause landauf landab versucht wird, die Kinder zum Aufräumen zu motivieren – mit mehr oder weniger Erfolg.

Da wir alle in einer sehr ordnungsliebenden Gesellschaft leben, gehen wir schnell davon aus, dass Kinder das eben lernen müssten, das mit dem Aufräumen.

Und übersehen dabei, dass z. B. Kindergartenkinder wirklich noch kleine Kinder sind. In der Folge wiederholen wir uns endlos, fangen an zu schimpfen oder kommen mit Konsequenzen um die Ecke – wenn du nicht aufräumst, darfst du nicht … bla bla bla.

Entspannt zu Hause

Stell dir doch einfach mal vor, wie viel entspannter dein Alltag wäre, wenn Aufräumen kein Thema mehr wäre.

Wie viele „geschimpfte“ Wörter und Sätze könntest du jeden Tag einsparen, wenn du kein Kind mehr zum Aufräumen animierst, motivierst oder zwingst?

Und auch das ist eingesparte Zeit. Zeit, die du nutzen kannst, um anregende Gespräche mit deinen Kindern zu führen oder einfach nur das Spiel deiner Kinder zu beobachten.

Müssen Kinder aufräumen?

Ich glaube, das ist die zentrale Frage und auch die Erwartung, die wir haben: Wir denken doch oft, dass Kinder so früh wie möglich lernen sollten, ihre Spielmaterialien nach Gebrauch aufzuräumen.

Aus der Sorge heraus, dass sie es sonst niemals lernen. Oder, dass das Aufräumen an den Eltern sozusagen hängen bleibt.

Und dass wir Eltern den Kindern das Aufräumen beibringen müssten..

Vielleicht ist es jedoch auch möglich, dass Kinder das zum richtigen Zeitpunkt ganz von alleine lernen, oder?

Denn die wichtigsten Lernstrategien der Kinder sind nachahmen und wiederholen. Gesetzt den Fall, du räumst auf, werden es sich die Kinder nach und nach bei dir abschauen und es dann durch Wiederholung lernen.

Wenn ich beispielsweise unsere Coaching TeilnehmerInnen frage, wie ihr eigenes Jugendzimmer ausgesehen hat, dann antworten fast alle dasselbe wie ich – chaotisch.

Und heute? Bist du immer noch chaotisch? In der Regel zumindest sehr viel weniger als früher, oder?

Das bedeutet, du hast es gelernt. Obwohl du deine halbe Kindheit damit genervt wurdest und dich tapfer widersetzt hast, oder?

Vielleicht wurden dir wie mir auch Ungezieferplagen angedroht oder es gab andere Versuche dich zum Aufräumen zu bewegen. Und vielleicht gehörst du auch zu den schon immer dauerordentlichen Menschen.

Wie bei allem im Leben gibt es auch hier kein Schwarz und Weiß, kein richtig und falsch.

Denn auch wir Großen haben sehr unterschiedliche Vorstellungen von Ordnung – für den einen reicht eine minimale Ordnung völlig aus, für den anderen muss es schon fast penibel ordentlich sein.

Also als Erwachsene nehmen wir uns raus, unseren eigenen Grad an nötiger Grundordnung zu entwickeln. Ich bemerke bei mir beispielsweise immer wieder, dass ich es an sich ordentlich mag, allerdings keine Lust darauf habe, deshalb Stress zu bekommen.

Dann entscheide ich bewusst zugunsten von mehr Zeit für andere Dinge, die Ordnung hinten anzustellen.

Wie kleine Kinder aufräumen

Ist dir bewusst, dass gerade kleine Kinder ganz oft aufräumen – ohne dass wir es bemerken: Denk doch beispielsweise mal an die Kinderküche, in die alle möglichen Spielsachen geräumt werden!

Da werden mit Taschen, Körben oder Autos, Korken oder Puzzleteile oder Legosteine zur Kinderküche transportiert und dort in den Backofen geräumt.

Dabei räumen die Kinder auf. Denn Aufräumen aus Kindersicht bedeutet Dinge von A nach B zu transportieren und sie irgendwo zu sammeln oder zu verstauen.

Beispielsweise hatte ich mit meinen Kindern mal die Situation, dass ich Blümchen eingepflanzt hatte vor der Haustür und diese dazu durch den Garten getragen habe.

Als ich mich nachmittags freute, dass ich ganz ungestört saugen konnte, habe ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Denn vor der Haustür waren meine damals zwei und vier Jahre alten Kinder eifrig beschäftigt die Blümchen aus dem Topf zu ziehen und durch den Garten zu tragen.

Im Endeffekt haben sie mein Verhalten imitiert. Nur passt uns Erwachsenen das oft nicht.

Warum du Kinder schnell demotivierst

Ist es nicht verständlich, dass Kinder dann demotiviert sind und die Lust am Aufräumen verlieren? Stell dir doch mal vor, wie du dich fühlen würdest, wenn du die Küche aufgeräumt hast, dann kommt dein Partner und fängt an all die Dinge, die du eben verräumt hast an andere Orte zu bringen.

Nein, die kleinen Gemüsemesser nicht in dieses Fach. Und der Gurkenhobel muss da drüben in die Schublade. Schon wieder sind die Teller an der falschen Stelle, usw, usw…. Da vergeht uns doch im Handumdrehen die Lust, oder?

Also der erste Tipp zum Thema Aufräumen wäre: beachte mal, wo Kinder auf ihre Art bereits aufräumen. Und geh mal davon aus, dass Kinder nichts ohne Grund machen, d. h. das was sie tun macht aus ihrer Sicht Sinn.

Vielleicht begibst du dich mal auf die Suche nach dem Sinn der Kinder? Und beachtest ihre Art des Aufräumens und gibst dazu ein positives Feedback in Form einer Ermutigung.

Wer entscheidet wann aufgeräumt wird?

In der Regel entscheiden die Erwachsenen, wann aufgeräumt werden soll. Stell dir nur mal vor, du liest gerade ein Buch. Und jetzt kommt dein Partner und möchte mit dir spazieren gehen.

Du hast eigentlich gar keine Lust. Und würdest gerne weiterlesen. Er drängt dich mitzukommen – frische Luft tut doch gut. Dann gehst du mit und ärgerst dich innerlich, dass du dein Buch nicht weiter lesen konntest.

Wie oft unterbrechen wir mit unserem Wunsch nach Ordnung oder Struktur das Spiel der Kinder? Haben wir wirklich immer im Blick, dass wir nur dann von den Kindern erwarten, dass sie aufräumen, wenn sie mit ihrem Spiel wirklich fertig sind?

Oder stülpen wir Kindern nicht doch häufig unsere Strukturen über?

Ich höre dich schon sagen, aber ohne Struktur geht es doch nicht. Behaupte ich auch gar nicht.

Wie oft also aufräumen am Tag?

Nur wäre ein Mal aufräumen am Tag in den meisten Fällen wirklich mehr als genug. Oder eben nur alle paar Tage mal. Das ist mein zweiter Tipp für dich! Und zwischendurch immer mal ein paar Handgriffe gemacht oder die Dinge mit dem Besen zusammengeschoben, reicht völlig aus.

Und die Kinder lernen dabei von dir, dass du mit dem Thema entspannt bist. Und lernen so, selbst damit entspannt zu sein. Du wirst erstaunt sein, wie schnell die Kinder dann beginnen, auch mal das ein oder andere einzuräumen.

Und vielleicht hilft dir dieser Gedanke noch zum Schluss, dass aufräumen eine Kulturleistung von uns Menschen ist, die wir uns angeeignet haben, seit wir in geschlossenen Räumen wohnen. Und in unseren Kindern steckt einfach noch dieses ganz alte Urzeit-Programm, dass man beim Spielen in der Natur einfach die Stöcke, Blätter, Erde usw. einfach umräumen, ausschütten, fallen und liegen lassen kann, denn die Natur räumt ihre Sachen selbst auf. Und die Kinder sind im absoluten Vertrauen, dass es richtig so ist, wie sie es tun.

Ich wünsche dir dieses Vertrauen, ganz viel Sanftheit und einen liebevollen Blick auf dich und deine Kinder.

Alles Liebe für dich!

von Uli und Bernd